Nora Biedermann, 11, Primarschülerin und Reise-Bloggerin, Thalwil ZH, hier in Medellin, Kolumbien.

«Manchmal haben die Grossen keine Ahnung»

Obwohl ihre Eltern Zeitungen abonniert hätten, lese sie diese nur in der Schule, sagt Nora Biedermann, die als Reise-Bloggerin selber publizistisch tätig ist.

Ich erfahre, was los ist, zum Beispiel wenn Donald Trump in die Schweiz kommt, weil ich am Abend oft zusammen mit meinen Eltern die «Tagesschau» sehe. «10 vor 10» ist allerdings zu spät. Wir reden auch mit Mami und Papi und in der Schule über aktuelle Ereignisse. Meine Eltern haben zwar den «Tages-Anzeiger» und die «NZZ am Sonntag» abonniert. Aber wenn ich am Morgen Zeitung läse, käme ich zu spät in die Schule, oder ich würde vergessen zu frühstücken. Hingegen höre ich Radio, SRF3 zum Beispiel und Energy.

In der Schule haben wir angefangen, gegen Schulschluss Zeitungen und Bücher zu lesen, unter anderem den «Tages-Anzeiger», die NZZ, den «Thalwiler Anzeiger» und sogar den «Blick». Das ist komisch, denn gleichzeitig haben uns Lehrer gesagt, wir sollten diesen nicht lesen.

Ich habe ein eigenes Handy und folge zum Beispiel Energy auf Instagram. Auch Memes schaue ich an. Einmal kam die Polizei in die Schule und hat uns erklärt, dass man nicht alles posten darf, Fotos und so, und dass man sich sogar strafbar machen kann. Auch mit den El-tern habe ich diskutiert, worauf man im Internet achten muss.

Für meinen Blog auf travelistas.info reise ich mit meiner Familie. Zum Beispiel waren wir vor kurzem in Kolumbien: in Bogotá, in Medellín, am Meer, auf einer Insel, wo wir Wale beobach-tet haben, in einer Smaragdmine und im Dschungel. Nachher schreibe ich über diese Reisen. Wenn mir Informationen fehlen, schaue ich im Internet nach.

In meinem Blog erkläre ich, weshalb ich schrei-be: «Manchmal haben die Grossen echt keine Ahnung, was Kindern gefällt. Ich schreibe Euch hier, was ich auf Reisen besonders toll finde. Dann könnt Ihr es Euren Eltern weitersagen.»

Aufgezeichnet von Artur K. Vogel

«Gedruckte Zeitungen schaue ich selten an»

Als politisch Interessierte sei sie auf umfassende, aktuelle Informationen aus möglichst unterschiedlichen Quellen angewiesen, sagt die Studentin Alix Vogel.

Ich informiere mich über Facebook und Twitter, wo ich diversen Medien wie «Le Matin», «Le Temps», «Figaro», «Le Monde», «Washington Post» und «New York Times» folge, und über konbini.com. Auch eher alternative Medien wie «Vice» oder «Charlie Hebdo» konsultiere ich regelmässig. Zudem lese ich, ebenfalls elektronisch, «20 Minuten», und zwar auf Deutsch. Gedruckte Zeitungen schaue ich nur ausnahmsweise an, und Zeitungsabos könnte ich mir mit meinem Studentenbudget eh nicht leisten. Instagram und Snapchat verwende ich vor allem für meine Unterhaltung. Fernsehen konsu-miere ich nicht und Radio nur gelegentlich, und zwar RTS sowie Canal 9.

Alix Vogel
Alix Vogel, 22, Politologie-Studentin, Lausanne.

«Ich suche heterogene Informationen»

Er informiere sich sowohl mit Tageszeitungen und Radio also auch online, sagt der Schriftsteller und Performancekünstler Jürg Halter. Um nicht in eine Informationsblase zu geraten, konsultiert er auch Medien, die nicht seine politischen Positionen vertreten.

Ich lese jeden Tag Zeitungen, entweder ihre Papierausgabe im Café oder auch online: den «Bund» oder den «Tages-Anzeiger», je nachdem, wo ich gerade bin, und alles von der «Wochen-zeitung» über die «Zeit» bis zum «Spiegel». Regelmässig lese ich auch die NZZ, die letzthin den Kurs geändert hat; die Frage stellt sich hier, wie es weitergeht. Zudem habe ich Links zum «Guardian» und zur «New York Times».

Am Radio höre ich das «Echo der Zeit», aber keine Hintergrundmusik. Musik will ich bewusst hören und mich nicht einfach berieseln lassen. Ich lese auch Blog-Artikel, auf die via Twitter hingewiesen wird und die mich interessieren. Wichtig ist es für mich, nicht in eine Informationsblase zu geraten, sondern mich mit politisch heterogenen Informationen zu versorgen. Wenn ich mich öff entlich äussere, weiss ich, wovon ich rede und worauf ich mich beziehe.

An den Zeitungen kritisiere ich, dass Kolumnen zu viel Aufmerksamkeit beigemessen wird. Kolumnen sind Meinungsäusserungen; sie geben den Lesern kaum Gelegenheit, sich aufgrund von Informationen selber eine Meinung zu bilden. Deshalb wünschte ich mir mehr Hintergrundberichte. Zudem möchte ich, dass in den Medien mehr Themen kontrovers verhandelt und Leute von aussen zu Diskussionen eingeladen würden.

Jürg Halter
Jürg Halter, 37, Schri steller und Performancekünstler, Bern.

«Ich bin ein klassischer Zeitungsleser»

Er konsumiere eine bunte Mischung aus Tages-, Wochen-, Monats- und Fachmedien, sagt der Hotelier Thomas Kleber. Mit Journalisten hat er selber «ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht».

Ich bin ein klassischer Zeitungsleser und greife regelmässig zum «Tages-Anzeiger», zur NZZ und zur «SonntagsZeitung». Von diesen habe ich auch Apps. Da meine Frau und ich lange in München gelebt haben, leisten wir uns auch eine App der «Süddeutschen Zeitung». Bei den Fachmedien interessieren mich naturgemäss vor allem der «Hotelier» sowie die «HTR Hotel Revue». Ich schaue regelmässig «10 vor 10» auf Fernsehen SRF sowie deutsche Stationen. Und im Auto höre ich viel Radio, vor allem SRF3 und Radio24.

In meiner Funktion als Hotelier werde ich immer wieder von Medien um Stellungnahmen gebeten. Ich habe dabei viele positive, man kann sagen freundschaft liche Beziehungen zu Journalisten aufbauen können, die mich seit mehr als zehn Jahren bei meinen verschiedenen Hotelstationen begleiten. Es entstehen aber nicht immer schöne und wahrheitsgetreue Artikel: Einmal wurde ich völlig falsch zitiert und bekam danach Probleme am Arbeitsplatz. Deshalb habe ich mir schon relativ früh eine gewisse Vorsicht Medien gegenüber angewöhnt.

Mit Kritik kann ich gut leben, solange sie sachlich korrekt ist. Vor einem Jahr, als ich noch Generaldirektor des Steigenberger Belvédère in Davos war, hat eine Bloggerin während des WEF unsere Preise kritisiert, ohne sich um die immensen Zusatzkosten zu kümmern, welche uns das WEF bescherte. Knapp 50 Medien haben ihre Meldung ungefiltert und ohne sie nachzuprüfen, übernommen. Wissen Sie, wer mir Gelegenheit gab, mich schrift lich und per Video zu äussern? «20 Minuten»!

Thomas Kleber
Tomas Kleber, 52, Leiter der Sorell-Hotelgruppe, Zürich

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